Was sind die wichtigsten Ursachen eines Vitamin-B12-Mangels? Welche Dosierung ist bei oraler Therapie sinnvoll? Und reicht ein Multivitaminpräparat zur Behandlung aus? Zwei Experten beantworten häufig gestellte Fragen zum Vitamin-B12-Mangel.
Vitamin-B12-Mangel: Experten beantworten Fragen

Die beiden Vitamin-B12-Experten Prof. Dr. Rima Obeid aus Homburg und Oberarzt Dr. Helmut Brath aus Wien beantworten häufige Fragestellungen zum Vitamin-B12-Mangel (1). Erfahren Sie, was für die Kundenberatung in Ihrer Apotheke wichtig ist.
Was sind die häufigsten Ursachen eines Vitamin‑B12‑Mangels?
Prof. Obeid & OA Dr. Brath: Die Ursachen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Häufig tritt ein Mangel in Folge einer gestörten Resorption auf, z. B. durch:
- langfristige Einnahme bestimmter Medikamente, wie Metformin oder Protonenpumpeninhibitoren,
- Gastritis,
- perniziöse Anämie,
- chronisch‑entzündliche Darmerkrankungen,
- bariatrische Operationen oder altersbedingte Resorptionsstörungen.
Zudem kann er sich bei unzureichender Zufuhr über die Nahrung entwickeln, z. B. bei konsequent veganer Ernährung ohne Supplementation.
Welche Symptome sprechen für einen Vitamin‑B12‑Mangel?
Prof. Obeid & OA Dr. Brath: Die Symptome sind vielfältig und oft unspezifisch, wie Müdigkeit und Erschöpfung. Dazu zählen auch neurologische Symptome (z. B.Missempfindungen in Händen oder Füßen), kognitive Störungen, depressive Symptome sowie eine makrozytäre Anämie.
Wann sollte man den Vitamin-B12-Spiegel messen lassen?
Prof. Obeid & OA Dr. Brath: Eine Bestimmung des Vitamin‑B12‑Spiegels wird bei Risikogruppen (z. B. unter langfristiger Metformin-Therapie) empfohlen – insbesondere, wenn Symptome auftreten. Generell sollte bei typischen Symptomen an einen möglichen Vitamin-B12-Mangel gedacht werden, auch wenn keine Risikofaktoren bekannt sind.
Wann sollte mit einer Vitamin‑B12‑Supplementation begonnen werden?
Prof. Obeid & OA Dr. Brath: Bei begründetem Verdacht sollte frühzeitig therapiert werden – auch bei unklarem Laborbefund. Eine Verzögerung kann insbesondere bei neurologischen Symptomen irreversible Schäden nach sich ziehen.*
Welche Dosierung ist bei oraler Therapie sinnvoll?
OA Dr. Brath: Therapeutisch haben sich 1.000 µg (1 mg) Vitamin B12 täglich als gut wirksam erwiesen.*
Reicht ein Multivitaminpräparat zur Behandlung aus?
OA Dr. Brath: In der Regel nein. Die Vitamin‑B12‑Dosis ist meist zu niedrig, insbesondere bei Resorptionsstörungen. Eine gezielte Substitution ist vorzuziehen.
Wie lange sollte eine Vitamin‑B12‑Substitution erfolgen?
OA Dr. Brath: Die Therapiedauer richtet sich nach der Ursache. Bei reversiblen Ursachen sollte sie so lange erfolgen, wie die Ursache besteht. Bei perniziöser Anämie oder dauerhafter Metformin‑Therapie ist sie in der Regel langfristig oder lebenslang durchzuführen.
Gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen des Vitamin B12 (Cobalamin)?
Prof. Obeid: Es gibt keine belastbaren klinischen Belege dafür, dass eine bestimmte Cobalamin‑Form wirksamer oder verträglicher ist als eine andere.
Quellen:
1. Obeid R, Brath H. FAQ – Vitamin B12 Mangel | springermedizin.de; abgerufen am 02.06.2026
2. Wang et al. Oral vitamin B12 versus intramuscular vitamin B12 for vitamin B12 deficiency (Review). Cochrane Database Syst Rev 2018 March 15; 3 (3): CD004655
3. Andrès E, Zulfiqar A-A, Serraj K, Vogel T, Kaltenbach G: Systematic Review and Pragmatic Clinical Approach to Oral and Nasal Vitamin B12 (Cobalamin) Treatment in Patients with Vitamin B12 Deficiency Related to Gastrointestinal Disorders. J Clin Med 2018; 7 (10): 304
4. Didangelos T et al. Vitamin B12 Supplementation in Diabetic Neuropathy: A 1-Year, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Nutrients 2021, 13, 395
5. Eussen et al. Arch Intern Med 2005 May 23; 165 (10): 1167–1172; Bei der Untersuchung unterschiedlicher täglicher Dosierungen (2,5, 100, 250, 500 und 1.000 μg Vitamin B12) erwiesen sich 1.000 µg als am wirksamsten.
* Die Behandlung einer perniziösen Anämie, neurologischer Symptome oder eines schweren Mangels erfolgt zu Beginn parenteral bis zur Normalisierung der Blutwerte.
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